Die Frage nach Herr Theiner

Mit Der Frage nach Herr Theiner“ beschäftigt sich diese Video-Reportage.

Durch die Frage nach Herr Theiner wird der Reporter immer wieder an

verschiedene Plätze in Hohenems geschickt, trifft dort immer wieder auf

Menschen, die etwas über Herr Theiner wissen. Mehr und mehr erfahren wir

über Herr Theiner und über die Hohenemser. Herr Theiner fungiert als eine Art

imaginärer Fremdenführer.

Stills aus der Kurzreportage

Playground ist Hohenems im Jahr 2010, eine Stadt mit dörflichem
Charakter in Vorarlberg. Herr Theiner ist ein Mann im Alter von etwa 70 Jahren.

Er zeichnet sich dadurch aus, dass er nicht den gesellschaftlichen Normen
entspricht, so wie dies manche Bürger sehen. Wie es mir berichtet wurde,
trägt Herr Theiner ständig eine Mütze und darüber einen Helm.
Auch im Sommer.

Menschen aus Hohenems sagen, er neigt dazu, skurile Dinge zu tun.
Beispielsweise, Socken über Zaunpfähle in Hohenems zu stülpen,
kleine Zweige mitten in der Stadt am Boden anzuordnen und seine
Plätze, an welchen er sich aufhält zu schmücken und zu arrangieren.

Jeder in Hohenems und darüber hinaus kennt Herrn Theiner.
Diesen Umstand mache ich mir zunutze, um die Menschen in dieser Stadt
zu fragen, ob sie heute schon den Herrn Teiner gesehen haben. Ich denke
es liegt an der kälteren Jahreszeit, dass Herr Theiner momentan eher schwer
aufzufinden ist. Ich frage weiters, wo ich ihn am ehesten finden kann.
Dann schicken sie mich an unterschiedliche Plätze, welche ich aufsuche,
um Herr Theiner zu finden. So lerne ich Hohenems aus einer anderen
Sicht kennen. Aus der Sicht des Herrn Theiner. Herr Theiner ist für mich
sozusagen ein Fremdenführer.

Mehr interessiert mich die Gesellschaft, wie sie den Herrn Theiner sieht.
Manche reden von einer Wichtigkeit, dass Theiner in Hohenems lebt.
Manche scheinen ihn genausowenig zu mögen, wie diese Menschen
Ausländer mögen, die schon lange eingebürgert sind und in Hohenems leben.
Die Art, wie ich Antworten über Herr Theiner bekomme, sagt oft vieles aus,
über die Menschen, die, die Antwort mir geben.

Die Reportage

Anlässlich der schulischen Aufgabe, Minitauren in Hohenems zu
raportieren, erstellt Hansjörg Kapeller eine Reportage im Stil einer
Strassenbefragung zu der in Hohenems bekannten Person
Herrn Raimund Theiner. Die Reportage zielt nicht wirklich darauf ab,
Herrn Theiner zu finden, vielmehr wird die Befragung der Passanten
über den vermeintlichen Aufenthaltsort von Herr Theiner zu einer
Entdeckungsreise durch Hohenems.

Hohenemser und Clicheé

Durch die Befragung um den Aufenthaltsort von Herr Theiner erfährt der
Reporter mehr und mehr aus der allgemeinen Mythenkiste der Hohenemser.
Manche Aussagen sind herzlich und positiv, manche gegensätzlich zu denen.
Jedenfalls, kennt jeder in Hohenems Herr Theiner.
Es ergibt sich im Laufe der Befragungen mehr und mehr ein Gesamtbild
der Hohenemser über das Wesen und die Wichtigkeit von Herr Theiner.
Mehr und mehr spitzt sich die Frage zu, wer ist Herr Theiner im Bürgertum
der Hohenemser, welchen Platz nimmt er ein.

Imaginärer Fremdenführer

Für Kapeller ist es eine fast schon zu einer Entdeckungsreise durch einen
urbanen Djungel geworde. Ein urbaner djungel, wenn auch mit dörflichem
Charakter. Kapeller kennt Herrn Theiner nicht real. Es scheint, als ob er Herrn
Theiner immer einen Schritt hinterher hinkt. Manchmal erfährt er, dass er gerade
vor einer Stunde an einem Platz war, an welchem Kapeller gerade jemanden
interviewt. Herr Theiner ist sozusagen für Kapeller ein imaginärer Fremdenführer,
durch welchen er immer wieder an neue Plätze in Hohenems gewegweist wird.

Das Hohenems des Herrn Theiner

Durch den Umstand, dass Kapeller immer wieder an Plätze verwiesen wird,
an welchen Theiner vermutet wird, zeigt  sich Kapeller Hohenems aus der Sicht von
Theiner. Einem Menschen, der dort schon sehr lange lebt, über den Mythen,
Wahrheiten und Hirngespinste  erzählt werden. Aus dieser Sichtweise heraus,
erscheint Theiner als eine sehr kraftvolle und wichtige Person für Hohenems.

Kapeller und das Raportieren

Kapeller zieht los, mit einer Helmkamera und einer Fotokamera, die Videos macht.
Warum eine Helmkamera und warum ein Bauhelm?
Theiner bedeckt seinen Kopf Tag ein und Tag aus mit einer Mütze
und darüber ein Helm. Manchmal ein Stahlhelm, manchmal einen Bauhelm in
Gelb, manchmal einen Bauhelm in Blau. Alle wissen das. Bei den Interviews
fällt es den wenigsten auf, dass Kapeller einen Helm trägt, sogar noch mit einer
Kamera aufgeklebt. Kapeller raportiert intuitiv. Menschen, die er aussucht,
von denen er glaubt, dass sie etwas zu erzählen haben oder dass sie etwas
über Theiner wissen, stellt er zur Frage. Sein Ziel ist es, Herrn Theiner zu finden,
wenn es der Zufall erlaubt und diesen dann zu Fragen, welches für ihn der
schönste Platz in Hohenems ist. Damit sollte die Reportage von Kapeller enden.
Aber auch der Ausgang, dass Herr Theiner von Kapeller nicht gefunden wird und Theiner
für Kapeller nur ein Mythos bleibt, wie für viele Hohenemser, ist möglich.

In seinem Blog
beschreibt er seine Reportage-Ausflüge zur Nachlese und bietet auch kurze
Video-Clips dazu an.

#hohenems2010

Eine Reportage von Hansjörg Kapeller

6 Kommentare bis “Die Frage nach Herr Theiner”

  1. Momo sagt:

    BRAVO !

  2. Andrea Fritz-Pinggera sagt:

    Raimund wie er leibt und lebt. Hohenems inside… :-) toll gemachte Story!

  3. herbert winklehner sagt:

    Seawas, habe dich schon länger im netz gesucht und nun gefunden. Bist ja eh noch ganz der alte, hab mich richtig gefreut wie ich dich da sah auf der suche nach herrn Theiner.
    Ich lebe nach wie vor mit Gerda und den Kindern – Jakob und Kristina – zusammen in Freistadt, arbeit auch noch auf der Kunstuni in Linz und es läuft alles soweit so gut.

    Würde mich freuen von dir zu hören. Übrigens, die reportage finde ich echt gut. Du kennst ja meine vorliebe zu skurillen persönlichkeiten und diese vorliebe hege ich nach wie vor.

    lg
    Herbert

  4. peter sagt:

    und nun ist er tot, der herr theiner und hohenems ist, man mag es kaum glauben, um ein original und ein stück ärmer!

  5. hubert sagt:

    ein orginal dass man suchen kann und sicher selten findet, hervorragender schiläufer in jungen jahren .Durch irgendein Erlebniss dass er sich für so eine leben entschieden hat.
    Es wird einigen menschen fehlen, anderen wiederum nicht, er war nicht dumm im gegenteil,
    Nun ruhe in Frieden lieber Raimund

  6. herbert sagt:

    na ja dieser mann war in den jugendjahren im Nationalkader bei den schifahrern. und irgendwas muss da passiert sein dass er sich für einen solchen lebensweg entschieden hat